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Bin auf dem Weg zum Friedensgarten. In meinem Rucksack transportiere ich Tüten mit verschiedenen Saaten. Ich will einfach ausprobieren, was wächst. Ob Licht- oder Bedecktsamer, ob der Monat stimmt oder nicht. Heute wird gesät, weil es mir heute gefällt.  Es tröpfelt so vor sich hin. Auf dem Spielplatz ist kein einziger Mensch zu sehen. Als ich mit dem Rad den holprigen Weg am Waldrand befahre, sehe ich schon von weitem, dass dort ein richtig großer Sandhaufen hingekommen ist. Wer hat sich wohl die Mühe gemacht? Es geht voran. Und neben dem einen Wassercontainer steht ein zweiter Container. Oder war der schon vorher auch schon dort? Einen Moment lang zweifle ich.

Aus der Entfernung kann ich mein Beet nicht entdecken, doch jetzt taucht es auf. Einen Moment lang halte ich am peruanischen Kartoffel-Ritualplatz andächtig inne.  Der Roggen geht mir bis zum Knie oder höher oder tiefer.  Die frisch gesetzten Erdbeerpflanzen sind gut angegangen, Viele haben schon weiße Blüten. Als ich auf meinem Fleckchen Erde stehe, schaue ich um mich.

 

Mir ist warm geworden. Der Regen ist nur noch ganz schwach. Einige Beete sind schon ziemlich zugewachsen.  Der Roggen verdeckt die eingesteckten Beetbegrenzungen. Trotzdem scheint es von überall her zu leuchten. Kleine bunte Wipfel, handgeflochtene Weidenbögen,  Liebevoll befestigte Zipfel an Stöcken und in die Erde versenkte, magische Zeichen. Jetzt fehlt nur noch der Regenbogen, denke ich. Mit meinem mitgebrachten Schäufelchen ziehe gerade und sternförmige Furchen  um meinen Sommerstein, der mittig auf der Erde liegt. Eine Nachbarin oder Nachbar hat sich ein größeres Stück Erde zugetraut und mit einem Seil eine Diagonale gezogen, um sich an einer gewisse Leitlinie zu orientieren. Eine Teilung oder Ordnung, die es leichter macht, die Pflänzchen so wachsen zu sehen, dass sie nicht so in Reih und Glied stehen und doch irgendwie gerade.

In meinem Beet zupfe ich sofort alle wild hereingetragene Fremdpflänzchen aus. Alles muss sauber sein. So musste es in meinem Schrebergarten aussehen. Ich muss lachen. Auch das werde ich noch hinkriegen. Endlich darf ich eine freie Entscheidung treffen. Es darf so wachsen, wie es mit mir und den Pflanzen im Einklang steht. Kein Nachbar, der mir freundlich zunickt, und mir erklärt, dass der Löwenzahn sich nicht verbreiten darf. „Das hat doch keiner gerne im Garten“. Wenn der wüsste, wie ich  zuhause Tag für Tag liebevoll meine Löwenzahnblättchen mit Olivenöl beträufele und schon zum Frühstück genieße. Ich atme auf und stehe sehr entspannt auf meiner Erde. Mich überkommt ein großes Gefühl der Zuneigung zu den Pflanzen um mich herum und auch zu den Menschen, die sich hier tummeln. Es ist schon ein wenig aufregend, solch ein Anfang.

 

Mit friedlichen Sommergrüßen

Bärbel

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